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18.09.2012

Workshop zur Wundversorgung

Palliativ-Kongress in Berlin

Berlin, 17.09.2012, B. Braun
Die Experten fordern aufgrund der Komplexität für die palliative Wundversorgung in der Palliativpflege einen an den Symptomen orientierten, praktischen und kreativen Ansatz, der sich auf das Befinden und die Lebensqualität des Patienten konzentriert.


Auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin in Berlin im September hat die leitende Pflegefachkraft der Akademie und des Zentrums für Palliativmedizin, Malteser Krankenhaus Bonn/Rhein-Sieg, Martina Kern, in dem Workshop „Wunden sind nicht immer heilbar“ über die palliative Wundbehandlung exulzerierender Tumorwunden informiert. Exulzerierende maligne Wunden entstehen durch Infiltration bösartiger Tumorzellen in die Haut und deren versorgender Strukturen. Sie können Schmerzen, hohes Exsudataufkommen, Juckreiz, Übelgeruch, spontane Blutungen und Hämorrhagien verursachen. Aufgrund ihrer Eigenschaften können sie die Lebensqualität des Patienten und der ihm nahestehenden Personen oftmals massiv einschränken.

Sind diese Wunden nicht mehr heilbar, stehen die Symptomlinderung und die Lebensqualität des Kranken im Mittelpunkt des Handelns, notfalls auch mit unkonventionellen Methoden. Kern: „Neben der Berücksichtigung der objektiven Befunde sind Richtschnur palliativen Handelns deshalb immer das Befinden und die Bedürfnisse des Patienten, um größtmögliche Lebensqualität zu erreichen.“ Dabei könnten spezielle Wundauflagen, ätherische Öle zur Geruchsbindung, blutstillende Medikamente und Lokalanästhetika für die Schmerzen nützlich sein. Der Vortrag zeigte, dass hier unter anderem Silikonwundauflagen mit Distanzgitter eingesetzt werden, die nicht mit der Wunde verkleben, lange auf der Wunde verbleiben können und damit einen atraumatischen Verbandwechsel möglich machen.

Neben der Behandlung von Symptomen ist die Begleitung der Betroffenen und ihres nahen Umfeldes von großer Bedeutung. Die Patienten spürten die fortschreitende Erkrankung nicht nur innerlich, sie könnten sie sogar „wachsen“ sehen und Veränderungen fast täglich beobachten. „Der Tumor ist immer präsent und macht es den Betroffenen nahezu unmöglich, ihre lebensbedrohliche Erkrankung zu verdrängen.“ Das Palliativteam müsse die Aufmerksamkeit auf den Patienten und sein Umfeld richten, die ihre Fragen und Probleme in dieser Situation nicht mehr alleine bewältigen könnten und ihre Ängste, Sorgen und Hoffnungen teilen. Auch nahestehende Menschen sollten mit in die Begleitung eingebunden werden, denn häufig fühlen sie sich schon durch den Anblick der Wunde überfordert. „Das Gefühl des Ekels führt oft zu einer Distanzierung von dem geliebten Menschen, dem man eigentlich in dieser Zeit des Leidens auch körperlich nahe sein möchte. Gefühle wie Scham und Schuld sind die Folge“, erklärt Kern.

Auch bei Pflegenden treten negative Gefühle und Berührungsängste auf, die jede Pflegekraft mit ihren eigenen individuellen Grenzen konfrontiert. Kern rät zu offener Kommunikation: Fragen des Betroffenen zu eigenen Empfindungen beim Anblick und Geruch seien möglichst ehrlich zu beantworten, um den Patienten nicht weiter zu isolieren. Hinter diesen Fragen verberge sich oft der Wunsch, über die Qualen, die mit dem exulzerierenden Tumor verbunden sind, zu sprechen und diese zu teilen.

Fazit: In der Begleitung ist es für alle involvierten Personen wichtig, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu respektieren. „Anderen Helfenden Aufgaben zu übergeben, sich mal bei der Anlage des Verbandes abzuwechseln, ist unverzichtbarer Bestandteil der persönlichen Psychohygiene“, erklärt die Expertin Martina Kern. Martina Kern ist seit September 2010 Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Der 10. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin hat vom 12.-15. September in Berlin unter dem diesjährigen Motto „Perspektiven in Mitte“  stattgefunden. Der alle zwei Jahre veranstaltete DGP-Kongress gehört zu den größten Palliativveranstaltungen, an der Palliativmediziner, Pflegende, Seelsorger, Sozialarbeiter, Therapeuten und viele weitere, haupt- und ehrenamtlich im Bereich der Palliative Care Tätige aus dem gesamten Bundesgebiet teilnehmen.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.palliativecare.bbraun.de.