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05.09.2019

Iguanaclash: Rollstuhlbasketballfest verbindet!

Internationales Turnier mit Tryout – Get-togehter von Profis, Nachwuchs und Fans

Beim diesjährigen Iguanaclash kamen Leistungssportler und Breitensportler zusammen. - Alle Fotos: © RBB München e.V.

Am vorletzten Sommerwochenende ist es in der allseits bekannten Säbener Straße in München richtig heiß hergegangen. Nicht nur wegen der herrlichen Temperaturen, sondern auch dank der Energie von vier Rollstuhlbasketball-Mannschaften, die mit ihrem Können ein richtiges Fest für die Fangemeinde und Freunde dieser spektakulären Sportart geschenkt haben. Iguanaclash hieß das Freundschaftsturnier, das von den Münchener Iguanas (RBB München e.V.) mit Beteiligung der Nationalteams aus der Schweiz, Österreich und Russland organisiert wurde.

Zum einem, wollte man den Sportlern eine Warm-Up-Möglichkeit vor der Rollstuhlbasketball EM in Polen geben. Zum anderen, ging es um ein Get-Together für die internationale Community aus Profis und Fans. Und nicht zuletzt hieß es: Tryout für den Nachwuchs im Rahmen des Projekts „Rollstuhlbasketball macht Schule – We Will Roll You“. So hat man mitten in der Ferienzeit für Kinder eine extra Möglichkeit angeboten sich in den Ferien auf kreative Weise herausfordern zu lassen.

Mit oder ohne Erfahrung, auf Rollstuhl angewiesen oder Fußgänger – die Trainer vom RBB München wissen, was die Teenager richtig bewegt. Mittels brandneuen Sportrollstühlen schafft man die Bedingungen, um sich auf Augenhöhe zu treffen, eine besondere Kommunikation zu gestalten undrichtig inklusive Momente gemeinsam zu erleben … So konnte der Nachwuchs selbst ausprobieren, ob es schwierig oder einfach ist im Rollstuhl unterwegs zu sein, die eigene Schule aus anderer Perspektive zu erkunden und neue kommunikative Formen zu testen. Rollstuhlbasketball bietet dafür eine perfekte Möglichkeit: Egal, welche Erfahrung, Einschränkung, Hintergrund man hat – sich anschnallen und los geht es! Einen Rollstuhl zu fahren und zu dribbeln, den Partner sehen und richtig zu passen, ein 3-Punkte-Wurf – unmöglich, oder? Außerdem ist ja auch das Gegnerteam mit zu bedenken.

Kinder haben bei diesen Herausforderungen immer Spaß, das Projekt hat aber auch soziale Bedeutung: „Es geht darum den Kindern, für die der Rollstuhl eine Art Spielzeug ist, diese Unbefangenheit zu vermitteln, dass sie sehen, dass ein Mensch im Rollstuhl sich genauso fortbewegen kann und das gleiche Denken hat, diese Brücke schlagen wir damit“, -so der RBB München Vorsitzende Benjamin Ryklin.

Während die Kinder am Vormittag 3 gegen 3 spielten, stiegen die Temperaturen in der großen Halle. Russland und die Schweiz kämpften Kopf an Kopf um die Punkte, so dass die Zuschauer dabei zu atmen vergaßen.

Die Coaches und die Spieler vom RBB München und Team Austria schienen diese Spannung nicht mehr ertragen zu können und plauderten im Garten über die Perspektiven der einheimischen Ligen und das Akquirieren von dem Nachwuchs für Rollstuhlbasketball. Matthias Wastian, der österreichische Kapitän liegt dabei auch Wert auf die Schulprojekte, die den Rollstuhl auch als Sportgerät zu sehen helfen: „Wenn Jugendliche oder ganz kleine Kinder mal im Rollstuhl durch die Halle fahren dürfen und es macht ihnen Spaß, vielleicht kommt der eine oder der andere mal zum Rollstuhlbasketball“. Eigene Statements dazu hatten auch die russische Spieler: „Man braucht eine starke Liga im Land, dafür ist das Bewerben von dieser Sportart notwendig. Internationale Treffen dieser Art sind von enormer Bedeutung, da man hier nicht nur seine Kräfte mit einem starken Gegner messen kann, sondern auch die Möglichkeit bekommt sich professionell auszutauschen und auch zum Beispiel Inspiration für unsere Community und Ihre Entwicklung zu holen,“, glaubt Wassilij Laikow.

Rollstuhlbasketball scheint viel Inklusions- und Verbindungspotential zu haben: für Sportler mit dem professionellen Anspruch, für Zuschauer, für Kinder – mit und ohne Behinderung. Therapeutische „Nebeneffekte“ sind dabei auch nicht wegzudenken. Nico Hausammann, der Kapitän der auf dem Iguanaclash triumphierenden Schweizer Mannschaft ist sich sicher: „Rollstuhlbasketball ersetzt eine Selbsthilfegruppe komplett, gerade wenn du frisch verletzt bist, da passiert mehr, als du je von irgendeinem Psychologen oder Therapeuten kriegst. Du fokussierst dich auf Sport, hast zusammen Spaß im Team und denkst nicht an die Alltagsprobleme. Es ist nichts anderes für Menschen mit und ohne Behinderung.“

Die neue Spielsaison bringt neue Treffen, sei es auf dem Parkett der europäischen Hallen oder in Münchener Schulhöfen. Das RBB München e.V. Team ist ab September bereit neue Schulen zu rollen.

>>> mehr zum Schulprojekt auf: www.wewillrollyou.de

Text: Polina Mandrik/High Art Bureau GmbH