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03.12.2018

Interview mit Anna Schaffelhuber

Spitzensportlerin mit Energie und klaren Zielen

Die erfolgreichste Monoskifahrerin weltweit: Anna Schaffelhuber - Foto: © Referat für Bildung und Sport/Sebastian Arlt

Anlässlich des "Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung" am 3. Dezember 2018 hat die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH mit der erfolgreichen Monoskifahrerin und mehrfachen Paralympics-Siegerin über ihren Sport, ihr Leben und ihre Zukunftspläne gesprochen. Anna Schaffelhuber moderiert am 16. Mai 2019 in der Messe Karlsruhe die Eröffnung der REHAB – Fachmesse für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion.

Mit fünf Jahren haben Sie mit dem Monoskifahren angefangen. Warum haben Sie sich gerade für diesen Sport und später für den Leistungssport entschieden?

Ich habe genau bei diesem Sport schon früh den für mich richtigen Mix aus Freiheit, Geschwindigkeit und Natur gefunden. Sobald ich im Monoski sitze, komme ich genauso überall hin, wie andere Menschen auf zwei Skiern auch. Und dazu liebe ich es einfach, in den Bergen in der Natur zu sein.

Welche Ausrüstung brauchen Sie für Ihren Sport?

Monoski, Ski, Krückski (kleine Stöcke), Helm, Skibrille, Winterklamotten

Neben dem Sport und sozialen Projekten studieren Sie Lehramt Realschule für Wirtschaft und Mathematik. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Nun ja, das ist schon sehr viel Planung, Koordination und Selbstmanagement. Ich versuche immer im Sommer so viel wie möglich zu schaffen, um dann im Winter freier für den Sport zu sein. Natürlich habe ich mir schon oft gedacht, dass man so ein Studentenleben deutlich einfacher gestalten kann, aber im Winter weiß ich wieder, wofür ich das alles nebenbei mache. Mir ist es schon immer sehr wichtig gewesen, vom Sport unabhängig zu sein und immer einen Plan B beziehungsweise überhaupt einen Plan für die Zeit nach dem Sport zu haben.

Wir freuen uns sehr, dass Sie die Eröffnung der REHAB 2019 moderieren. Was erwarten Sie sich von einer Reha-Messe?

Ich bin zum ersten Mal in Karlsruhe dabei und schon sehr gespannt, ob ich das ein oder andere Neue für mich entdecken kann. Ich freue mich auch sehr auf viele Gespräche und nette Treffen. Auf einer Messe ist es für mich immer am wichtigsten, sich auszutauschen und kleine, findige Lösungen für den Alltag zu finden.

Auf der REHAB 2019 wird es auch wieder die „Inklusive Sportstätte“ geben, auf der die Besucher mit und ohne Handicap wie in den letzten Jahren die Möglichkeit haben, inklusive Sportarten wie beispielsweise Rollstuhl-Rugby, inklusives Hockey oder Wheelsoccer kennenzulernen und auszuprobieren. Welche Sportart würde Sie noch reizen?

Hmm.... am meisten reizt mich momentan Rollstuhl-Tennis und Langlauf. Beides habe ich bisher nur mal so sporadisch ausprobiert. Jeweils ohne das perfekte Equipment. Aber das steht bei mir als Nächstes ganz oben auf meiner Liste!

Sie sind Botschafterin für das Medizintechnikunternehmen Otto Bock, das Prothesen, Orthesen und Rollstühle herstellt und auch Aussteller auf der REHAB ist. Was ist Ihnen bei einem Rollstuhl besonders wichtig?

In erster Linie: Stabilität, Leichtigkeit und ein schickes Aussehen. Der Rollstuhl ist in meinem Leben allgegenwärtig und ein Gebrauchsgegenstand. Jeden Meter, den ich mich bewege, bewege ich auch den Rollstuhl (egal ob auf einen Berg hinauf oder ob ich ihn in das Auto hebe). Dabei möchte ich so viel unnötiges Gewicht wie möglich sparen, aber auch gleichzeitig eine vernünftige Stabilität dieses „Gebrauchsgegenstands“ haben. Diese perfekte Abstimmung habe ich bei Otto Bock gefunden. Und darüber hinaus.... sieht er auch noch schick aus ;-)

Auf der REHAB präsentieren die Aussteller sowohl marktreife Produktneuentwicklungen als auch Forschungsprojekte, wie beispielsweise einen treppensteigenden Rollstuhl. Welches Hilfsmittel fehlt Ihrer Meinung nach noch auf dem Markt? Was sollte in den nächsten Jahren entwickelt werden?

Puuh.... schwierig.... wenn ich das so genau wüsste, wäre ich an der intensiven Planung! Ich habe einige Verbesserungsvorschläge, was ein Handbike beispielsweise für die Berge betrifft. Ganz allgemein würde ich mich im Sommer oder auch Winter gerne noch freier in der Natur der Berge bewegen. Ob man irgendwann einmal als Rollstuhlfahrer auf Skitouren gehen kann..... hmmm...

Was wünschen Sie sich generell von der Gesellschaft im Umgang mit Menschen mit Behinderung?

Einfach, dass man ganz normal damit umgeht. Ich persönlich mag es auch immer am liebsten, dass ich gefragt werde, bevor man Berührungsängste hat. Ganz grundlegend finde ich aber das Thema Barrierefreiheit; es ist für mich der Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft! Wenn ich beispielsweise nicht in ein Kino, ein Rathaus, eine Gaststätte oder einen Bäcker hineinkomme, kann ich ja schon gar nicht ganz normal am Alltagsleben teilnehmen beziehungsweise auch nicht in der vollkommenen Mitte der Gesellschaft sein. Lange hat man nun in Deutschland über dieses Thema gesprochen und diskutiert. Das war auch gut so, schließlich soll man ja zum Nachdenken anregen. Jetzt ist aber wirklich der Zeitpunkt gekommen, an dem man auch handeln muss! Deutschland kann hierbei von so vielen anderen Ländern schon lernen.

Was haben Sie in nächster Zeit persönlich und als Sportlerin noch vor?

Ich glaube, ich bin immer voll von Ideen und freue mich auf weitere Herausforderungen. Zunächst werde ich im März 2019 mein Studium an der Uni abschließen, heiraten und ein Haus bauen. Als Sportlerin ist es für mich gerade gut, wie es ist. Ich muss nichts mehr beweisen und kann einiges probieren und riskieren. Grundsätzlich sehe ich mich aktuell weiter am Start und das ist für mich gerade das Wichtigste.

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