DRS Bunte Leiste
10.03.2018

Golden Girl: „Ich bin unfassbar glücklich“

1. Wettkampftag in Pyeongchang: Anna Schaffelhuber mit goldenem Auftakt

Anna Schaffelhuber - Foto: Oliver Kremer/DBS

Andrea Eskau - Foto: Ralf Kuckuck/DBS

(dbs) Para Ski alpin: Anna Schaffelhuber holt sich im ersten Rennen ihren sechsten Paralympics-Sieg und rast in der Abfahrt zu Gold – Andrea Rothfuss fällt nach Silber ein Stein vom Herzen. – Die deutschen Para Skilangläufer und Biathleten sind beim Biathlon-Sprint am ersten Paralympics-Tag vom Pech verfolgt. Alexander Ehler zeigt dennoch seine beste Saisonleistung.

Anna Schaffelhuber hat es wieder gepackt: Nach ihrem Fünffach-Triumph in Sotschi hat die 25-jährige Monoskifahrerin ihren sechsten Paralympics-Sieg geholt und ist in der Abfahrt im Jeongseon Alpine Centre zu Gold gerast. Die erste Medaille für die Deutsche Paralympische Mannschaft in Pyeongchang gewann Andrea Rothfuss mit Silber in der Startklasse der Damen stehend. Pech hatte hingegen Anna-Lena Forster, die auf Goldkurs liegend ausschied. 

„Ich bin unfassbar glücklich. Es kann sich kaum jemand vorstellen, wie ich mich fühle“, sagte Anna Schaffelhuber sichtlich erleichtert. Nach einem Fehler im mittleren Abschnitt habe sie im Ziel nicht gewusst, ob ihre Zeit von 1:33,26 Minuten überhaupt reichen würde. Doch zunächst schied Teamkollegin Anna-Lena Forster aus und direkt im Anschluss auch Mitfavoritin Claudia Lösch (Österreich). Als sich die Japanerin Muraoka (+ 1,49 Sekunden) und die Amerikanerin Laurie Stephens (+ 2,54) hinter Schaffelhuber einreihten, durfte die 25-Jährige vom TSV Bayerbach jubeln. „Der Druck und die Erwartungshaltung waren schon ziemlich hoch“, gab Schaffelhuber zu und schob direkt hinterher: „Doch das ist jetzt völlig weg. Ich wollte Gold in Pyeongchang holen, das ist mir gelungen. Diese Medaille bedeutet mir sehr viel.“ Ebenfalls lange Zeit bestens unterwegs war Schaffelhubers Teamkollegin Anna-Lena Forster. Die 22-Jährige vom BRSV Radolfzell lag bei beiden Zwischenzeiten vorne, führte sogar mit gut einer halben Sekunde, blieb dann allerdings an einem Tor hängen und schied aus. „Das ist sehr bitter. Ich hatte ein richtig gutes Gefühl und war schnell unterwegs. Doch dieses gute Gefühl nehme ich mit in die nächsten Rennen“, betonte Forster. 

Erleichterung pur verspürte Andrea Rothfuss. „Mir ist ein dicker Stein vom Herzen gefallen. Es lief im Training nicht gut für mich und auch die bisherige Saison war schwierig. Deshalb bin ich super happy mit Silber“, sagt Rothfuss, die mit 1:32,53 Minuten gut zwei Sekunden hinter der Topfavoritin Marie Bochet aus Frankreich blieb. „Ich habe alles in die Waagschale geworfen und im richtigen Moment gezeigt, was ich kann. Da habe ich auch von meiner Erfahrung profitiert, die ich inzwischen gesammelt habe“, erklärte die 28-Jährige von der VSG Mitteltal. 

Knapp am Treppchen vorbei schrammten bei ihrer Paralympics-Premiere die sehbehinderte Noemi Ristau und ihr Guide Lucien Gerkau. Von Enttäuschung war nach einem guten vierten Platz jedoch keine Spur. „Ich bin voll zufrieden. Wir waren drei Sekunden schneller als im Training und es hat Spaß gemacht, die Piste hinunter zu düsen. Vor dem Start war ich schon aufgeregt, aber nicht unsicher“, sagte Ristau. Die deutschen Monoskifahrer Georg Kreiter und Thomas Nolte konnten in der Abfahrt nicht in den Medaillenkampf eingreifen, waren mit ihren Leistungen dennoch zufrieden. Georg Kreiter (33, RSV Murnau) schaffte es beim Sieg des Amerikaners Andrew Kurka unter die besten Zehn, Thomas Nolte (32, MTV Braunschweig) war zunächst gut unterwegs, musste sich nach einem Fehler allerdings mit Platz 20 begnügen. 

Bundestrainer Justus Wolf zog nach dem ersten Wettkampftag bei den Paralympics in Pyeongchang ein positives Fazit: „Das war ein Auftakt nach Maß und wir haben eine deutliche Steigerung zum Training gezeigt. Jetzt haben wir eine gute Ausgangslage für die nächsten Rennen. Für Anna war es ein großer Sieg, da sie schon unter Druck war und das super gemeistert hat. Schade, dass Anna-Lena nach Zwischenbestzeit ausgeschieden ist, doch ihre Leistung stimmt uns zuversichtlich. Zudem freuen wir uns über den zweiten Platz von Andrea.“ 

Der Debütant läuft auf Platz fünf

Die Sitzski-Athleten haderten mit den Schneebedingungen, Steffen Lehmker verlor am Schießstand einen Ski und bei Clara Klug gingen gleich ein Dutzend Dinge schief. „Das Momentum hatten wir heute nicht gerade auf unserer Seite“, kommentierte der deutsche Bundestrainer im Para Skilanglauf und Biathlon, Ralf Rombach, den ersten Tag seiner Mannschaft bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang (Südkorea). Indes: Es gab auch gute Nachrichten. Alexander Ehler (SV Kirchzarten) zeigte ein beherztes Rennen.  

Im Biathlon-Sprint-Rennen über 7,5 Kilometer landete der 48-jährige Emmendinger in der stehenden Konkurrenz mit null Schießfehlern in 19:16.2 Minuten auf dem fünften Rang. Ehler blieb etwas mehr als eine halbe Minute hinter dem Bronzemedaillen-Gewinner Ihor Reptyukh (Ukraine, 18:40.9 Minuten, ein Schießfehler). Gold ging an den favorisierten Franzosen Benjamin Daviet (17:56.6 Minuten, kein Fehler), Silber an Mark Arendz aus Kanada (18:25.9 Minuten, kein Fehler).  

Dabei bekannte der Paralympics-Debütant im Ziel, dass er sich auf der eigentlich gar nicht so wohl gefühlt habe wie zuletzt bei den Deutschen Meisterschaften vor einem knappen Monat. Die Aufregung und die weichen Schneebedingungen taten ihr Übriges. „Es war sehr schwierig für mich“, sagte Ehler, dessen beiden Töchter Alexandra und Olga ihn von der Tribüne aus anfeuerten.  

Und plötzlich war der Ski weg 

Für den zweiten deutschen Steher Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld endete seine Premiere bei Paralympischen Spielen unglücklich. Beim ersten Schießen leistete er sich einen Fehler, beim zweiten verlor er plötzlich einen Ski. Erklären konnte er das nicht. „Das ist mir noch nie passiert. Danach habe ich meinen Rhythmus völlig verloren. “ Letztlich sprang für den Niedersachsen der zehnte Platz in 20:52.7 Minuten heraus. 

Sein Unglück war symptomatisch für das Auftreten des deutschen Ski-Nordisch-Teams am ersten Tag. Das Sitzski-Trio Andrea Eskau (USC Magdeburg), Anja Wicker (MTV Stuttgart) und Martin Fleig (Ring der Körperbehinderten Freiburg) hatte Pech bei der Materialwahl, das nicht optimal auf die kaum zu berechnenden Witterungsbedingungen abgestimmt war. Das schlug sich in den Resultaten nieder. 

Wicker kam auf Platz neun, Eskau und Fleig wurden Sechste, jeweils rund eine Dreiviertelminute hinter Bronze, wobei Fleig mit einem Fehlschuss im neunten Versuch seine Medaillenchance vergab. „Mir hat ein wenig die Power gefehlt“, sagte der 28-Jährige, der in den Tagen zuvor gesundheitlich leicht angeschlagen gewesen war. „Angesichts dessen war es eigentlich kein schlechtes Rennen.“  Beide Sitzski-Goldmedaillen gingen in die USA – an Kendall Gretsch und Daniel Cnossen.  

Klug verliert das Lachen nicht 

Clara Klug (PSV München) und ihr Guide Martin Härtl (SK Nesselwang) bemühten sich bei den Frauen mit Sehbehinderung derweil darum, die Richtigkeit des Spruchs „Ein Unglück kommt selten allein“ zu beweisen. Es begann mit einem Beinahe-Strauchler am ersten Anstieg, der viel Zeit kostete. Es ging weiter mit einem ersten Bodenkontakt Klugs am zweiten Berg und es gipfelte in einer Abfahrt vor dem Stadion, in der Härtl hängenblieb, als er gerade zu seiner Athletin zurückblickte. Der Guide und Heimtrainer stürzte und riss seinen Schützling mit. Folge: ein gebrochener Stock.  

Als Sechste im Ziel angekommen, nahm das Duo die Missgeschicke mit Humor. „Wir waren beide ein wenig nervös heute“, sagte die 23-Jährige Klug. „Aber es war erst der Anfang hier.“ Am Dienstag beim Biathlon über die mittlere Distanz will sie wieder angreifen. Vivian Hösch (Ring der Körperbehinderten Freiburg) landete mit ihrem Guide Florian Schillinger auf Platz sieben und ärgerte sich zwar über ihren einen Schießfehler, war aber dennoch glücklich, überhaupt laufen zu können. Auch sie war in den Tagen zuvor leicht erkältet gewesen.  

Höschs Freiburger Vereinskollege Nico Messinger holte mit Begleitläufer Lutz Klausmann (SV St. Georgen) Rang neun. „Das ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe, aber die Bedingungen liegen mir einfach nicht“, sagte er. Auf dem Treppchen ganz oben standen bei den Sehbehinderten Mikhalina Lysova (Neutrale Paralympsche Athleten) und Vitaliy Lukyanenko (Ukraine).  

Am Sonntag beim Langlauf in der langen Distanz für sitzende Athleten geht aus deutscher Sicht voraussichtlich nur Andrea Eskau an den Start.

Hintergründe zu den Sportlerinnen und Sportlern finden Sie unter: www.deutsche-paralympische-mannschaft.de. - Hier geht's zu den Spielen: www.paralympic.org/pyeongchang-2018