DRS Bunte Leiste
25.09.2017

Unterwegs auf dem Edelstein-Fluß

Kajakkurs auf der smaragdgrünen Soca - ein Erfahrungsbericht

Kristallklares Wasser begleitete die Paddler auf ihrer Tour. - Foto: Annika Seidl

Die Soca, der Traum vieler Wildwassser-Paddler, eingebettet in ein tiefes, sattgrünes Tal mit herrlich-smaragdgrünem Wasser bietet perfekte Paddelreviere für Einsteiger und Fortgeschrittene. Manchmal fließt sie ruhig und gemächlich dahin, rauscht dann wieder wild an steilen Felsklippen vorbei und schlängelt sich so durch die wunderschöne slowenische Landschaft. Jetzt ist es auch uns Rollstuhlfahrern möglich, diesen Traum zu realisieren. Das 1. Inklusive Kanuzentrum Augsburg organisierte auch dieses Jahr wieder eine inklusive Paddelwoche in Bovec, Slowenien. Bovec ist ein kleiner Ort, idyllisch mitten im oberen Soca-Tal gelegen und umgeben von den imposanten Gipfeln der Julischen Alpen. 

Das professionelle Team, verantwortlich für Schulung und Sicherheit, bestand aus den staatlich geprüften Kajaklehrern Annika und Bruno Seidl, Sebastian Rasch und Sven Schönwasser. Unter den neun Teilnehmern befanden sich sechs Menschen mit Handicap, davon fünf Rollstuhlfahrer und drei kajakerfahrene Fußgänger. Als Ausrüstung diente: Paddelkleidung, Sicherheitsausrüstung, Boote und Paddel wurden von der Prijon Kajakschule Ausburg zur Verfügung gestellt. Finanziell unterstützt wurde das Camp vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V. 

Nach einer reibungslosen Anreise am Sonntag, über die Alpen-Adria-Route, erfolgte der Camp-Aufbau auf dem Campingplatz Liza. Die meisten Teilnehmer haben gezeltet, einige kamen auch mit dem Wohnwagen oder mit einem kleinen Wohnmobil. Fürs gemeinsame Frühstück und Abendessen stellte Bruno einen großen Pavillon auf die Wiese und brachte auch alle benötigten Kochutensilien mit. Auf dem Campingplatz gab es eine barrierefreie Sanitäranlage und ein gut zugängliches Restaurant mit typisch slowenischen Gerichten. Dort versammelten wir uns am Abend zur Begrüßung, zum Kennenlernen und zum Briefing für den nächsten Tag. 

Nach dem Frühstück am Montag erfolgte dann die Materialanpassung. Den Leitern des Kurses, Annika und Bruno, war es sehr wichtig, dass jeder Teilnehmer das passende Kajak bekam und richtig gefittet, perfekt im Boot saß. Sie hatten auch einige Packrafts, leichte, robuste Schlauchkajaks, die sich erstaunlich gut steuern und paddeln lassen, dabei. Mit diesen Booten können auch höher gelähmte Paraplegiker, weniger mobile Paddler und weniger Wagemutige sehr viel Spaß haben und müssen keine Angst haben, unfreiwillig im doch sehr frischem Karstquellwasser zu baden. Auch eine theoretische Sicherheits- und Technikschulung stand auf dem Programm. Da alle Teilnehmer schon mehrfach ein Kentertraining mit Spritzdecke geübt hatten, ging es am frühen Nachmittag gleich aufs bewegte Wasser um die gelernte Theorie in die Praxis umzusetzen. Den Einstieg bildete die Panoramafahrt zwischen Cezsoca und Zaga. Das ist eine wunderschöne Strecke mit gemütlichen Kiesbankschwällen und blankpolierten Felsen die das türkise Wasser am freien Fluss hindern und kleine Stufen, Schwälle und Katarakte bilden. 

An den darauffolgenden Tagen paddelten wir noch von Zaga bis Srpenica und von Srpenica bis Trnovo 1 (Friedhofstecke). Wir paddelten durch Auenlandschaften und vorbei an steilen moosbewachsenen Steilwänden, immer wieder fasziniert von dem glasklaren türkisblauen Wasser. Große Kehrwasser luden zum Üben und Pausieren ein. Eine richtige Spielwiese war ein mächtiger Fels der mitten aus der Soca ragte. Wir versuchten immer wieder auf der Welle zu paddeln, den Fluss zu queren und möglichst perfekt in die Kehrwasser zu beiden Seiten des Felsens einzuparken. Leider war der Wasserstand der Soca etwas niedrig, sodass wir nicht alle geplanten Abschnitte fahren konnten und einige Abschnitte mehrfach paddeln durften, was aber keinen von uns störte. Denn, das gab uns auch mal die Gelegenheit, neben der sportlichen Herausforderung, die phantastische Landschaft zu genießen. 

Unser Team wählte die Ein- und Ausstiege immer sehr bedacht, sodass wir Gelegenheit hatten, uns in Ruhe umzuziehen und noch mal auf die Toilette zu gehen. Trotzdem waren manche Einstiege abenteuerlich und verlangten vor allem den Helfern einiges ab. Bruno, Annika, Sven und Basti zogen uns im Kajak sitzend manchmal 100 m den Berg hinauf oder ließen uns am Seil steil nach unten. Außerdem brachte Bruno extra einen Geländerollstuhl mit, den er sich in München bei der Pfennigparade ausgeliehen hatte.

Zurück von unseren Paddelabenteuern ruhten wir uns erst mal etwas aus oder stießen mit einem Paddelbier auf unsere Erfolge an. Abends grillten oder kochten wir zusammen und ließen den Tag am Lagerfeuer ausklingen. An einigen Abenden gönnten wir uns allerdings auch ein leckeres Essen zusammen mit einem guten Wein aus der Gegend im Restaurant des Campingplatzes. 

Ich glaube, jeder Teilnehmer stimmt mir zu, wenn ich behaupte, dieser Urlaub war etwas Besonderes, voll mit sportlichen Herausforderungen, märchenhaften Naturbildern und schönen Freundschaftserlebnissen.

Vielen Dank an Bruno, Annika, Sven und Basti und auch an alle Teilnehmer, die halfen, wo sie konnten, besonders an Christine, Steffi und Ines!

Irmgard Bruck

>>> www.rollstuhlsport.de/kanu