DRS Bunte Leiste
13.07.2017

"Ich hoffe einfach, gute Rennen zu fahren"

Annika Zeyen gibt einen Ausblick auf Ihre WM-Teilnahme in London

Annika Zeyen hat den Basketballrollstuhl mit dem Rennrollstuhl getauscht. - Foto: Privat

Im Vorfeld der Para-Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 14. bis 23. Juli in London sprach der DRS im Rahmen seiner GWIRB-Interviewreihe mit der Leistungssportlerin Annika Zeyen. Im Rollstuhlbasketball hat Annika alles erreicht. Jetzt will die Bonnerin das Leichtathletik-Oval von London erobern. Kurz vor ihrer ersten WM-Teilnahme in London stand sie Rede und Antwort.

Liebe Annika, der Wechsel vom Rollstuhlbasketball zum Rennrollstuhl erfolgte für viele überraschend und zudem auch überraschend schnell. Wie kam es dazu?

Ja, für mich kam der Wechsel auch überraschend ;) Dass ich nach Rio nicht mehr Rollstuhlbasketball in der Nationalmannschaft spielen würde, war ja entschieden und ich habe mich dann auch entschieden nicht mehr in der Bundesliga zu spielen, da ich nicht jedes Wochenende für die Spiele durch die Gegend reisen wollte. Mir war es wichtig, die Wochenenden auch einfach mal frei planen zu können. Auf der anderen Seite war aber auch völlig klar, dass Sport immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens sein würde. Nach Rio hatte ich dann einfach mal Zeit, Sportarten zu betreiben, für die sonst neben dem Basketball keine Zeit war: Handbike fahren, Badminton spielen, Wasserski fahren, Ski fahren usw.  Und eben Rennrollstuhl fahren. Das hatte ich noch nie ausprobiert, fand es aber schon immer faszinierend. Ein Kollege von mir ist früher einige Marathons im Rennrollstuhl gefahren und von ihm habe ich mir dann einen Rennrollstuhl ausgeliehen. Da ich nach Rio komplett nach Bonn gezogen bin und Alhassane Baldé auch in Bonn wohnt, bot es sich dann an das Rennrollstuhl fahren mit Hilfe des Profis zu probieren. So bin ich dann zu einer Trainingseinheit von Alhassane und unserem Coach Alois Gmeiner gegangen. Ich war direkt begeistert von der Sportart und vom Coach und bin dementsprechend dabei geblieben.

Auch beim Rollstuhlbasketball musstest du konditionell topfit sein. Was musstest du durch die Umstellung trotzdem neu lernen?

Ja, richtig. Kraft und Ausdauer waren da, aber im Rennrollstuhl fährt man mit einer komplett anderen Technik als beim Rollstuhlbasketball. Es dauert natürlich diese Technik zu lernen und dementsprechend dann auch die vorhandene Kraft in eine hohe Geschwindigkeit umsetzen zu können. Nur mal so um sich das vorstellen zu können: bei meinem ersten Training auf der Rolle bin ich auf einen Topspeed von 20 km/h gekommen, mittlerweile habe ich auf der Rolle schon 40 km/h erreicht!

In London hast du vor fünf Jahren Paralympics-Gold im Rollstuhlbasketball gewonnen. Mit welchen Zielen und Gefühlen reist du jetzt wieder dorthin?

Die Paralympics in London werden mir immer ganz besonders in Erinnerung bleiben, aber nicht nur weil wir Gold gewonnen haben, sondern einfach weil die Atmosphäre so unglaublich toll war. Ich freue mich sehr darauf, in meiner neuen Sportart gleich wieder in so einer tollen Atmosphäre starten zu dürfen, auch wenn ich noch nicht so weit bin, dass ich um die Medaillen mitfahren kann. Ich hoffe einfach, gute Rennen zu fahren und die ein oder andere persönliche Bestzeit aufzustellen.

>>> www.ins-rollen-bringen.de

>>> www.paraathleticschampionships.com