DRS Bunte Leiste
10.08.2016

Thomas-Mann-Schüler beim Rollstuhlsport

Unterrichtsprojekt „Rollstuhlsport macht Schule"

„Spaß haben!“ – das ist seine Antwort auf die Frage: „Was glaubt ihr, warum wir das hier heute machen?“. Herbert Tietz ist Landesfachwart für Rollstuhlsport in Schleswig-Holstein und steht (als einziger) im Kreis der Klasse 6a. Alle Übrigen sitzen in Aktiv- und Sportrollstühlen und rollen ungeduldig auf der Stelle.

Selbstverständlich gehört eine Einweisung in die Sportgeräte zu jeder Unterrichtseinheit und so erfuhr die Klasse zunächst, warum Herbert Tietz und sein Referent Matthias Kaiser, Übungsleiter im Rehabilitationssport und Vorstandsmitglied des Vereins Menschen in Bewegung Bad Segeberg e.V., kurz vor den Sommerferien mit einem großen, mit Werbung beklebten Transporter einen Klassensatz Rollis an die Thomas-Mann-Schule gekarrt haben.

Bei dem Schulprojekt „Rollstuhlsport macht Schule“ handelt es sich um eine Initiative der Unfallkasse Nord in Kooperation mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V. und dem BG Klinikum Hamburg. Unterstützung erfährt das Pilotprojekt auch durch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), der die Schirmherrschaft übernommen hat. 

Natürlich geht es neben dem Spaß auch um die Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn man im Rollstuhl sitzt, wie man mit so einem Rollstuhl klarkommt und ob man damit auch wirklich Sport treiben kann, so Herbert Tietz und Matthias Kaiser. In Fahrübungen erprobte die Klasse, wie man das Schwungrad am Reifen betätigt ohne (!!) sich die Finger einzuklemmen, wie man geradeaus, rückwärts oder mit 45°-Schwenk fährt, wie man auf Tempo kommt und bremst ohne zu kippen. Am Ende der Unterrichtseinheit wurden die Fähigkeiten im Rollstuhl-Basketball und Wheel-Football in kleinen Gruppen erprobt. 

Auch die Klasse 9d nahm an dem Projekttag teil und kam nach kurzer Einweisung, wie man z.B. richtig nach hinten (!!) kippt und sich freihändig um 360° dreht, schnell ins Fahren und konnte im Staffel“lauf“ zeigen, was Inklusion ist: Mit unterschiedlichen Handicaps gemeinsam stark sein - eine wertvolle Erfahrung! Es folgten weitere Manövertrainings, bis die Klasse fit war, die sportspezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten des Rollstuhlbasketballs, wie die Zwei-Kontakt-Regel, den „schnellen Antritt“, die Aufnahme eines ruhenden Balles mithilfe des Rades und den Korbwurf, zu erlernen. Abschließend wurde das Gelernte im Rollstuhlbasketball umgesetzt, bei dem es ordentlich zur Sache ging. Es wurde um den Ball gekämpft, gesprintet, gestoppt, Wege versperrt und Körbe erzielt.  

Unser Fazit: Rollstuhlsport macht Spaß und ist auch was für Fußgänger!  

Wir danken Herbert Tietz und Matthias Kaiser für die Möglichkeit, eine Sportart kennenzulernen, die Fußgänger wie Rollstuhlfahrer gleichermaßen einbezieht und echte Inklusion ermöglicht! Am Ende des Projekttages ging niemand zur Toilette, sondern fuhr, keiner stand am Spielfeldrand, sondern saß.

Mehr Menschen sollten diese Erfahrungen machen dürfen, dann würde es z.B. die Diskussion um das äußere Erscheinungsbild des Münchener Olympiastadions mit möglicher Zufahrtsrampe für Rollstuhlfahrer nicht geben und auch die Hansehalle Lübeck hätte womöglich eine direkte Zufahrtsrampe von der Tribüne in die Halle. Vielleicht gäbe es für die Sportler des Vereins „Menschen in Bewegung“ in ihrer Trainingshalle der Thomas-Mann-Schule sogar einen Raum für die teuren und schweren Rollstühle, der nicht im ersten Stock der Sporthalle liegt und somit ausschließlich für starke Fußgänger erreichbar ist. 

Franka Bendlin, Thomas-Mann-Schule

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