DRS Bunte Leiste
11.07.2016

Der Weg nach Rio führt über Ankara

Gemeinsame deutsch-türkische Vorbereitungslehrgänge

Unter den Sportlern gab es keinerlei Spannungen anders als es die derzeitige politische Lage vermuten ließe. - Fotos: Hannes Doesseler

(brsnw) Nach dem gemeinsamen Lehrgang beider Para-Tischtennis Nationalmannschaften vom 5.-12. Juni in Bad Blankenburg fand letzte Woche nun der Gegenbesuch statt. Vom 3.-10. Juli trafen die Teams im "Eryaman Olimpik Kamp Merkez", 20 km östlich der 4,5 Millionen-Stadt Ankara, auf Topp-Lehrgangsbedingungen. 

Wieder konnten die voraussichtlichen Rio-Teilnehmer(innen) beider Nationen, die in Bezug auf Spielstärke und Wettkampfklassen hervorragend zusammenpassen, bei hartem Training mit drei Einheiten pro Tag voneinander profitieren. 

Die türkische Mannschaft war sehr erleichtert, dass wir - nur 5 Tage nach dem verheerenden Anschlag auf den Flughafen Istanbul - den gemeinsamen Lehrgang in Ankara nicht in Frage stellten. 

Wir wiederum nahmen erstaunt zur Kenntnis, dass die Gastgeber das dreitägige Bayram-Fest, vergleichbar mit unserem Weihnachten, nicht bei ihren Familien, sondern mit uns verbrachten. Beim "Zuckerfest" zum Abschluss der Fastenzeit Ramadan wird die Hand der Älteren geküsst, kleine Süßigkeiten- und Geldgeschenke gemacht und wir wurden am Nachmittag Teil eines großen Picknicks in einem Park inmitten von türkischen Familien. 

Neben den sportlichen Einblicken in die Trainingsphilosophie der Gastgeber konnten die deutschen Athleten und Betreuer auch bei Bowling, Grillen und gemeinsamem Fußball-Erleiden etwas in die türkische Seele schauen. 

So ist auch das Fazit von Bundestrainer Volker Ziegler stark von den interkulturellen Erkenntnissen geprägt: "Auch wenn sich die politischen Eliten beider Länder gerade mit dem gegenseitigen Verständnis etwas schwertun, so ist es schön zu sehen, wie respektvoll und harmonisch sich die Menschen auf der sportlichen und persönlichen Ebene begegnen und", relativiert er im Vorfeld geäußerte Bedenken "die reale Lage vor Ort ist eine andere als die Lage, die man beim Betrachten der Nachrichtensendungen vermutet. Den Alltag in Ankara nahmen wir als normal, entspannt und wie immer von großer Gastfreundschaft geprägt wahr."