DRS Bunte Leiste
28.07.2015

Ergebnisse zur DRS-Umfrage stehen fest

Einweisung und Ausbildung im Gebrauch des Hilfsmittels Rollstuhl

(Abb. 1) Prozentuale Anteile zum Ort der erhaltenen Ausbildung.

(Abb. 2) Prozentuale Anteile zur Information auf Ausbildungsanrecht. - Grafiken: Lotta Czygan

Die folgende Zusammenfassung basiert auf den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit dem Thema „Zur Bedeutung von Hilfsmittelgebrauchsschulung und Mobilitätstraining für Rollstuhlfahrer in Deutschland“ an der Deutschen Sporthochschule Köln. 

In Deutschland gibt es für Rollstuhlnutzer viele Barrieren und Hindernisse im Alltag. Um diese zu überwinden und um sich sicher in einem Rollstuhl fortbewegen zu können, ist es wichtig, die sogenannten Rollstuhlgrundtechniken zu beherrschen. Hierzu zählen beispielsweise das Antreiben und Abbremsen des Rollstuhls, das Lenken aus der Fahrt, das Balancieren auf den Hinterrädern, Umsetzungs- und Transfertechniken und viele mehr.

Wird in Deutschland ein Rollstuhl bestellt, sollte bei der Auslieferung eine Einweisung in den Gebrauch des Rollstuhls erfolgen, welche die technischen Komponenten des Rollstuhls und Fahrtechniken thematisiert. Zu diesen technischen Komponenten zählt das An- und Abmontieren der Hinterräder, das Zusammenfalten oder -klappen des Rollstuhls, Pflege- und Instandhaltungshinweise, die Prüfung des Luftdrucks und das Aufpumpen der Räder sowie das Wegschwenken, Abklappen oder Abnehmen des Fußbretts. Die im letzten Jahr durchgeführte Umfrage des DRS zum Thema „Zur Einführung und Ausbildung im Gebrauch des Hilfsmittels Rollstuhl“ ergab, dass weniger als die Hälfte der Umfrageteilnehmer eine solche Einweisung erhalten hat. Außerdem fanden 59,4% der Befragten, dass diese Informationen zum sicheren Gebrauch des Rollstuhls im Alltag nicht ausreichen. Über 66% wussten nicht einmal, dass ihnen diese Einweisung im Rahmen der Rollstuhlauslieferung rechtlich zusteht. Von den Personen die es wussten, wurden 2,1% durch Krankenkassen und 11,4% durch Sanitätshäuser informiert. Hier ist dringend mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. 

Um sich mobil und sicher mit dem Rollstuhl fortbewegen zu können, reicht die bloße Einweisung durch die Vertragshändler nicht aus. Eine Ausbildung im Gebrauch ist wichtig, um die grundlegenden Rollstuhltechniken nicht nur erklärt zu bekommen, sondern aktiv zu erlernen und zu schulen. Diese Ausbildungen finden beispielsweise im Rahmen von Erstrehabilitationen in Kliniken oder bei Mobilitätstrainings statt. Anbieter von Mobilitätstrainings sind unter anderem der DRS, die Manfred-Sauer-Stiftung oder die Firma Rehability. Der zeitliche Rahmen dieser Ausbildungen ist weitaus größer als der der Einweisungen durch die Sanitätshäuser, sodass mehr Inhalte tiefgründiger behandelt werden können. Auch das speziell geschulte Personal trägt einen Großteil zur guten Ausbildung bei. Die Umfrageergebnisse ergaben, dass etwa ein Viertel aller Befragten überhaupt keine Ausbildung im Gebrauch ihres Hilfsmittels erhalten hat. 22,7% der Befragten gaben an, sich alles selbst beigebracht zu haben. Die meisten Personen, die eine Ausbildung erhalten haben, erhielten diese innerhalb eines Rollstuhltrainings des DRS (26%). Immerhin 24% der Befragten erhielten sie in der Klinik und lediglich 4% erhielten sie vom Sanitätshaus (s. Abb. 1).  

Die Personen, die eine Ausbildung vom Sanitätshaus erhielten, bekamen aufgrund der deutlich geringeren Ausbildungsdauer nur einen Teil der wichtigsten Rollstuhlgrundtechniken vermittelt. Keiner gab an, alle sechs aufgelisteten Inhalte behandelt zu haben. Außerdem sind die Teilnehmer, die nur durch ein Sanitätshaus ausgebildet wurden, unsicherer und weniger mobil im Alltag, als Teilnehmer, die ein Mobilitätstraining oder eine Rehabilitationsmaßnahme innerhalb einer Klinik absolviert haben. Dies ergab der Vergleich der Antwortmuster auf einer Skala von 1-8 zur Frage wie sicher und mobil sich der Befragte im Alltag mit dem Rollstuhl ist. Nicht ausgeschlossen werden kann jedoch hierbei, dass auch das Alter, die Behinderungsform, der Gesundheitszustand und das Hilfsmittel selbst einen Einfluss auf diese Einschätzung haben.

Der Großteil aller Befragten, nämlich 68,1%, wurde überhaupt nicht darüber informiert, dass ein Anrecht auf eine Ausbildung im Gebrauch des Hilfsmittels besteht (s. Abb. 2). Hier ist dringend Aufklärungsarbeit zu leisten, insbesondere bei Ärzten, Krankenkassen und Sanitätshäusern.   

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eine Ausbildung im Gebrauch des Rollstuhls wichtig ist, um aktiv am Leben teilhaben zu können. Diese Ausbildung ist durch die Versorgung von Sanitätshäusern nicht ausreichend gewährleistet. Es empfiehlt sich der Besuch eines Mobilitätstrainings, um die wichtigen Rollstuhlgrundtechniken zu erlernen, zu schulen und zu festigen. 
Lotta Czygan

Weitere Informationen zur durchgeführten Umfrage erhalten Sie unter:
www.drs.org/cms/mobil-aktiv/mobil-mit-rollstuhl/umfrage-rollstuhlfahren.html