DRS Bunte Leiste
04.03.2015

Riesen-Spass beim Riesen-Ball - Neue, junge Trendsportart setzt auf erlebbare Inklusion für alle

Schnappschüsse vom Sportplatz - Fotos: Didi Stahlschmidt

Die Reifen quietschen auf dem Hallenboden, der riesige Pezziball schnellt am Mittelkreis vorbei, gefolgt von vier Kindern in Sportrollstühlen. Am Rand wirft Trainerin Lia Verbeek schreiend taktische Anweisungen in den Raum – es ist Montagabend und die Riesenball-mannschaft der Reha- und Behindertensport-Gemeinschaft Dortmund 51 (RBG 51) hat eine ihrer Übungseinheiten. Die RBG ist seit 1951 in Dortmund für die Belange des Behinderten-sports aktiv und hat als Sportverein für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderung mittlerweile mehr als 20 Sportgruppen. Dazu zählen neben den bekannten Rollstuhlsportarten wie Basketball, Badminton oder Tischtennis auch seit wenigen Jahren Riesenball. Diese junge Sportart, auch als Wheel-Soccer bekannt und deren Ursprünge nicht klar festzulegen sind, hat sich als rasante Spass-Sportart mehr und mehr zu einer neuen  Trendsportart entwickelt – vor allem für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen. „Hier hat jeder eine Menge Spass, unabhängig davon ob mit oder ohne Behinderung“, so Verbeek, und ergänzet mit dem Blick aufs Spielfeld „Wir versuchen eine Sportart zu etablieren, die wirklich jeder spielen kann.“ 

Riesenball ist wie Fußball im Rollstuhl und somit für jede Altersgruppe, jeden Grad der Behinderung und für Fußgänger ebenso geeignet – also ein Paradebeispiel für aktiv gelebte Inklusion. Das Regelwerk ist hierbei so einfach wie nachvollziehbar. Während die Mehr-zweckhalle zu einem Drittel als Spielfeld mit zwei Toren markiert ist, wird ergänzend die Torwartzone gekennzeichnet. Das Regelwerk besagt, dass sich dort nur der Torwart der jeweiligen Mannschaft aufhalten darf, der als einziger den Ball mit zwei Händen berühren oder abwehren darf. Die weiteren vier Feldspieler dürfen den Pezziball nur mit einer Hand führen und dabei versuchen, den übergroßen Ball über die Torlinie des Gegners zu rollen. Ist diese geschehen, wird je nach Auslegung der Regeln entweder vom Torwart aus oder vom Mittelkreis das Spiel wieder aufgenommen. Die Spielzeit beträgt einmal 15 Minuten ohne Seitenwechsel und kann bei bundesweiten Turnieren auch zweimal zehn Minuten betragen. Eine Sonderregel bezieht sich auf den „besonderen Spieler“. Dieser ist aufgrund seiner Behinderung nicht so agil oder besonderes schwer beeinträchtigt und kann von einem Fußgänger geschoben werden. Ebenso darf er bei Berührung des Balls nicht attackiert werden, wobei es pro Mannschaft auf dem Feld nur einen dieser Spieler geben darf. Nach Dortmund schwappte die Idee vor ungefähr fünf Jahren von Bochumer Förderschulen hinüber und wurde anfänglich noch als Teil der gemischten Sportgruppen bei der RBG51 geführt. Damit war es der einzige Sportverein, der dieses Angebot für junge Menschen im Portfolio hatte. Es waren die Kinder selber, die nach und nach mehr Spass und Gefallen an den großen, schnellen Pezzibällen hatten und Riesenball als feste Größe einforderten.  

Anlässlich des 60. Jubiläums der RGB 51 im Jahre 2011 wurde der konkrete Wunsch nach dem eigenen Turnier erhoben – und somit wurde aus dem traditionellen „Sportfest für Menschen mit körperlicher Behinderung“ das landesweite Riesenball-Turnier der RBG 51.

Dieses erfreut sich nicht nur wachsender Beliebtheit in Dortmund, es wird auch zunehmend von landesweiten Mannschaften wahrgenommen. Bei der vierten Ausgabe im Herbst 2014 waren insgesamt neun Mannschaften gemeldet und kamen unter anderem aus Lippetal, Borken und Olsberg. Nachdem der wöchentliche Trainingstag gesetzt war, stiegen Anspruch, Motivation und letztendlich auch die Professionalität der jungen Rollstuhlsportler. Und die Erfolge sprechen für sich, denn die Mannschaft der RBG 51 ist durch ihren Sieg des bundes-weiten Wheel-Soccer-Cups 2014 in der Berliner Max-Schmeling-Halle zurzeit eines der besten Team des Landes und strebt die Titelverteidigung in 2015 an. Was leider bis heute fehlt, ist ein fester Verband und somit auch eine einheitliche Liga. „Sicherlich wäre das Potential dafür vorhanden, doch es geht auch um finanzielle Strukturen“ erklärt Verbeek. Sie verweist dabei auf die Tatsache, dass die Turniere oder Trainingsstrukturen selbst finanziert werden – inklusive der Fahrtkosten oder Versicherungen. Eine Förderung erfolgt dabei nur punktuell bei einzelnen Turnieren durch lokale oder regionale Sponsoren, die damit die Produktionskosten wie Hallenmiete, Personal oder Medaillen und Pokale finanzieren.

Zurück in der Halle: Das Training ist für eine Trinkpause kurz unterbrochen und die Rollikinder tauschen taktische Ideen aus. Dazu zählt auch, dass der zehnjährige Maxi als Torwart in der gefahrenfreien Torzone mitspielt, da eine Feldbeteiligung durch seine Glasknochen zu gefährlich für ihn wäre. Dieses Beispiel zeigt, dass Art und Grat der Behinderung keine Rolle spielen und jeder beim Riesenball seine feste Funktion, seinen Platz inne hat – und das immer auf gleicher Augenhöhe. Und Lia Verbeek will die Sportart weiter bekannt machen: „Noch ist Riesenball nicht paralympisch, aber vielleicht schaffen wir das ja auch noch.“ sagt sie mit einem Grinsen und beendet die Trinkpause mit einem lauten Pfiff. 

Anmeldungen und weitere Infos unter: www.rbg-dortmund51.de

Training: Montags, 17-18.30h, Gesamtschule Gartenstadt

Riesenball-Turnier 2015: 26.09.,  Martin-Luther-King-Gesamtschule

Infokasten „Riesenball-Regeln auf einen Blick“

Spielfeld: Gespielt wird auf einem normalen Hallendrittel (etwa Handballfeldgröße)

Spielzeit: Einmal 15 Minuten ohne Seitenwechsel, gelegentlich auch zwei mal zehn Minuten.

Die Mannschaft: Eine Mannschaft besteht aus einem Torwart und vier Feldspielern. Pro Mannschaft auf dem Feld kann ein Elektro-Rollstuhl mitspielen.

Der Ball: Ein Pezziball, der von den Spielern nur mit einer Hand berührt und gespielt werden darf. Der Ball darf nur gerollt und nicht hochgehoben und geworfen werden. Einzige Ausnahme ist der Torwart zur Abwehr von Bällen.

Spielfeld Torwart: Das Spielfeld des Torwartes wird mit Klebeband farbig markiert. Es darf sich kein weiterer Spieler (weder Gegner noch Mitspieler) im Spielfeld des Torwartes aufhalten.

Mehr auf: www.do1.tv/2013/10/25/newsflash-inklusion-beim-riesenball-turnier