DRS Bunte Leiste
23.01.2014

Gelebte Inklusion im exklusiven SPA & Sport Hotel

Dritte Winter Aktivwoche des Mar y Sol Hotels auf Teneriffa

Sonne, Strand und Meer!

Sommerwarme Temperaturen brachten so manch einem zum Untertauchen.

Besonders Individualreisende entschieden sich für die "trockene Wassergymnastik".

Der Balanceakt beim Kippeln will gelernt sein - das angebotene Mobilitätstraining half dabei.

Mal was Neues ausprobieren? - Wie wär's mit Luftballon-Volleyball!

Arbeit und Erholung liegen manchmal ganz nahe beieinander.

So kann Barrierefreiheit aussehen: "Gerade Treppen" führen durch unwegsames Gelände. - Fotos: Privat

Bereits zum dritten Mal war ich nun zum Jahrewechsel im SPA & Sport-Hotel Mar y Sol auf Teneriffa – diesmal sogar fast vier Wochen. Die ersten beiden mit Ute und unserer Tochter Samira, wobei Sami bereits den neuen Praktikanten das Kippeln im Rollstuhl beibrachte. Die dritte und vierte Woche mit der Kollegin Aggi Wiggers. Gemeinsam gestalteten wir mit den guten Geistern der Halle, Jürgen und Marina sowie zwei Praktikantinnen ein abwechslungsreiches und individuell angepasstes Programm für alle Hotelgäste, zudem gab es noch genügend Zeit die traumhafte Insel zu erkunden.

Das Mar y Sol ist komplett barrierefrei, ob dies nun für bauliche Schwellen gilt oder für kommunikative. Das heißt, ich komme überall hin ohne darüber nachdenken zu müssen, ob dies möglich ist – und es gibt ganz viele Möglichkeiten mit den anderen Gästen in Kontakt zu treten; sei es nun auf der Terrasse an einem der beiden Pools, im Speiseraum mit seiner lockeren flexiblen Tischordnung und dem grandiosen Buffet oder in der Sporthalle. Das Publikum ist sehr bunt gemischt. Das SPA und Sport-Hotel Mar y Sol ist offen für alle, aber ob der vielfältigen Angebote und des guten Geistes der in diesem Hause herrscht, wird es von vielen Menschen mit den unterschiedlichsten (Körper-)Behinderungen gebucht. - Das ist für mich gelebte Inklusion in einem wahrlich exklusiven Club.

Ich treffe sehr viele Gäste aus den Jahren zuvor, ob Langzeitüberwinterer oder Sonnensucher während der Weihnachtsferien. Die Sporthalle, die für diese Zeit mein Hauptaktionsfeld ist, hat sich mittlerweilen gut etabliert. Mit Jürgen und Marina gibt es zwei feste Größen für das Programm übers Jahr und ich merke, dass mehr Gäste für sich erkannt haben, dass auch sie „sportlich“ aktiv sein können. Die Möglichkeiten sind super gut; egal ob Basketball, Rugby, Luftballon-Volleyball, (E-)Hockey, Tischtennis, Boccia, Golf, Slackline etc. für alle Interessen gibt es hervorragendes Material und fachkundige Anleitung. Wir hängen einen Wochenplan aus, der von Rollstuhl-Mobilitätstraining über Gymnastik bis zu einem kleinen Tischtennis-Turnier und Rollstuhltanz geht. So haben wir feste Angebote, können aber auch jederzeit ganz individuell auf die Wünsche und Bedürfnisse der teilnehmenden Gäste eingehen. Manch eine oder einen interessiert auch der Rolli TÜV oder eine gute Rollstuhlberatung, bzw. das Ausprobieren eines besser passenden Rollstuhls.

Für mich persönlich spielt der Kontakt zu den Menschen eine wichtige Rolle, viele Gespräche am Rande sind für beide Seiten äußerst bereichernd. Es sind aber auch so vielfältige und höchst interessante Leute im Haus; ob das nun David ist, ein schwer spastisch gelähmter Junge mit seinen Eltern aus Schweden, der mit mir Tischtennis „Fuss“Ball spielt, Patricia aus Italien, die bei den letzten Paralympics in London war, Dävid und Sabrina aus meiner alten Heimat, die noch jung und erst ganz frisch in der Szene unterwegs sind, Clement aus Österreich, der täglich eine andere abwechslungsreiche Gymnastik beisteuerte oder die Vollblutpolitiker Gotthilf, Ilja und Willi, sowie Emily aus England, die dort in der Frauen Basketball-Nationalmannschaft spielte und der Finne, der so lange Arme hat, dass er scheinbar die ganze Tischtennis Platte abdeckt oder Günther, der Künstler und Rudi, der alte Seebär aus Hamburg usw., und viele, viele andere tolle Leute mehr.

Hier trifft sich eine Szene, ähnlich wie in einem feinen Club, man weiß umeinander und so rückt die Behinderung in den Hintergrund. Es gibt tiefe Gespräche oder Bingo, Networking pur und Karaoke live. Austausch und Kommunikation über alle Grenzen hinweg, egal ob sozialer, politischer oder nationaler Art, dass nenne ich gelebte Inklusion. Wir sind gleich (berechtigt) und doch so verschieden.

Ins Mar y Sol kommen Einzelreisende, Paare, Familien, Patchworkfamilien, Leute mit Assistenz und Gruppen. Dank des optionalen Pflegedienstes und Sanitätshauses Le Ro, das dem Haus angegliedert ist, besteht jederzeit die Möglichkeit notwendige Hilfen zu erhalten. Das Personal ist sehr hilfsbereit, äußerst zuvorkommend und dank der geringen Fluktuation ist es richtig familiär – man kennt sich und begegnet jedem Gast mit großer Achtung, und dass egal ob Hotelmanagement oder Servicepersonal.

So freute es mich besonders, dass wir dieses Jahr ein Gastgeschenk in Form eines Vorführrollstuhles der Firma ETAC mitbringen konnten, denn die Ausstattung an Rollis zum Ausprobieren ist noch recht spärlich, hier sind Rollstuhlfahrer und Firmen aufgerufen sich einzubringen, denn es gibt hierfür einen großen Bedarf. Wer also was zum Abgeben hat, setze sich bitte direkt mit dem Haus oder mit uns in Verbindung.

Es hatte diesen Winter auf Teneriffa endlich wieder etwas mehr Niederschläge als in den letzten Jahren gegeben, so war der Teide diesmal herrlich schneebedeckt und die Insel weit grüner als in den Vorjahren. Es hat während der 4 Wochen, in denen ich dort war, sogar 2mal geregnet – für mich die schönste Zeit zum Schwimmen und Träumen im Pool und sogar einmal richtig stark gehagelt, aber dies war schnell vorbei und dann schien die Sonne wieder herrlich bei äußerst angenehmen Temperaturen zwischen 20° und 25°.

Für 5 Tage hatten wir ein umgerüstetes Auto, mit dem wir die komplette Insel erkundeten. Über das Masca Tal im Westen ging es weiter in den Norden und zurück über die Hochebene des Teide Kraters. Eine weitere Tour führte uns über La Laguna im Osten zum Anaga-Gebirge, ganz am anderen Ende der Insel. Es ist schon eindrücklich, wie viele Klimazonen und unterschiedliche Gesichter die Insel hat – einfach paradiesisch. Besonders gefreut hat mich auch, dass die Inselverwaltung immer mehr Niederflurbusse im öffentlichen Verkehr einsetzt und die Straßenbahn von Santa Cruz nach La Laguna gehört zu den modernsten, mit denen ich je gefahren bin.

Mir und meiner Familie hat der Aufenthalt sehr gut gefallen - einziger Kritikpunkt meiner Tochter, sie hätte sich ein schnelleres Internet gewünscht - ich dagegen war sehr froh 4 Wochen davon verschont zu bleiben. - So kommen wir sehr, sehr gerne wieder!

Wer Interesse an Teneriffa und dem Mar y Sol bekommen hat, der findet mehr Informationen über die Website des Hauses. Es gibt ganzjährig sehr interessante Angebote, bereits wieder verschiedene Aktionen geplant wie z.B. Kidz-Club, eine Aktiv Woche mit Gerda Pamler (Kajakfahren, Quad-Tour, Para-Gliding), Golf-Kurs, Tisch-Tennis, E-Hockey und im November das Rugby Turnier, sowie 2015 einem Basketball-Turnier, aber vorher sind auch wir gerne wieder da mit unserer Aktiv-Woche im Winter vertreten.

Hasta Luego – Muchas Grazias - Hasta la próxima!
Klaus D. Herzog