DRS Bunte Leiste
29.08.2013

"Goldener" Rollstuhl-Action-Tag auf der internationalen Gartenschau 2013

2. ChairSkating-Workshop und "GOLD"-Open-Air-Kino in Hamburg

Actionsportler David Lebuser beim 2. bundesweiten ChairSkating-Workshop auf der internationalen gartenschau hamburg 2013.

Auch die kleinsten Teilnehmer wuchsen während des Workshops über sich hinaus

Skaten ist Männersache? Die Workshop-Teilnehmerinnen belehrten alle Zweifler ganz klar eines besseren!

Der ungewohnte Anblick von skatenden Rollstuhlfahren brachte viele igs-Besucher zum Staunen

Talk unter Sportlern: Im Vorfeld des Open-Air-Kinos plauderten die paralympische Schwimmerin Kirsten Bruhn (li.) und David Lebuser über ihr Leben und ihre sportlichen Erfolge

Im "GOLD"-Vorprogramm - David Lebusers selbst produzierter Kurzfilm vom ChairSkating-Contest 2013 in Kalifornien.

Auch in der Skate-Bowl will er immer weiter nach oben: DRS-AG "Actionsport"-Leiter David Lebuser

Hamburg, 28.08.2013  - ein ungewohnter Anblick bot sich den zahlreichen Besuchern, die am vergangenen Samstag den Skatepark auf dem Gelände der internationalen Gartenschau in Wilhelmsburg passierten – insgesamt 15 Rollstuhlfahrer hatten sich beim Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) angemeldet, um im Rahmen des 2. offiziellen Workshops die in Deutschland noch sehr junge Sportart ChairSkating auszuprobieren.

„ChairSkating“ oder auch „WCMX“ bezeichnet nichts anderes als das Durchqueren von Skateparks, über Rampen und Hindernisse hinweg und an Schrägen entlang, und das auf möglichst spektakuläre Art und Weise – nur eben nicht mit Skateboard oder Inline-Skates - sondern mit Rollstuhl. Für David Lebuser, im Frühling 2013 noch alleiniger ChairSkater auf deutschem Boden, nichts außergewöhnliches – bereits seit vier Jahren eifert er seinem US-Vorbild Aaron Fotheringham nach und fährt mittlerweile mit diesem gemeinsam auf internationalen Skate-Contests.

Bereits beim ersten Workshop im Mai 2013 in Hamburg-Rissen konnten sich zahlreiche Interessierte ein Bild davon machen und erkennen, dass dies nicht nur ein Sport für „verrückte Exoten“ ist, sondern einen Freizeitspaß für jederman darstellt. Kurz darauf brach ein wahres Gewitter an Presseanfragen und Mails interessierter Rollstuhlfahrer über David Lebuser ein - zwischenzeitlich hatte er bereits die DRS-AG „Actionsport“ gegründet und bietet nun Kurse an, um seine Erfahrungen mit anderen Adrenalinjunkies zu teilen und seine Tricks und Turns in der Skateanlage auch Neulingen nahe zu bringen: „Mir ist klar, dass ich mir hier meine eigene Konkurrenz großziehe," sagt Lebuser lachend, "aber mir macht das Skaten selbst auch mehr Spaß, wenn man mit anderen Action-Rollstuhlfahrern übt. Außerdem kann ich hier Rollifahrern und auch Fußgängern zeigen, dass ein Rollstuhl viel mehr sein kann als nur ein „Hilfsmittel“. Das Selbstvertrauen, das die Teilnehmer durch das Wagnis ChairSkating erhalten, macht gerade Kinder und Jugendliche auch im Alltag stärker und unabhängiger - obwohl ChairSkating natürlich keine Frage des Alters ist."

So tummelten sich unter den begeisterten Teilnehmern in insgesamt drei Workshops mit je fünf Personen 12-jährige Schüler, Mittzwanziger und auch Hausfrauen jenseits der 40. „Es muss ja auch gar nicht immer radikal zugehen – hier geht’s ja auch darum, z.B. auch im Alltag eine Rampe alleine hoch zu kommen, die man sich bisher ohne Hilfe vielleicht nicht zugetraut hätte,“ erklärt Lebuser,“ für mich gibt’s da draußen eigentlich keine wirklichen Barrieren mehr - wenn also mal die Rolltreppe kaputt ist, komm' ich trotzdem sicher runter.“

Auch die Teilnehmer waren begeistert von der Sporterfahrung und den frisch erlernten neuen Fähigkeiten: „David ist ein klasse Lehrer, er nimmt jedem die Angst und lässt alle ihre eigenen Grenzen und Möglichkeiten ausloten,“ freute sich die anfänglich noch vorsichtige Nadine (32) aus Kiel. „Auch wenn ich erst gezögert habe, bin ich unheimlich froh, den Workshop mitgemacht zu haben. Das sollte jeder mal probieren“.

Gelegenheiten dazu gibt es: In diesem Jahr veranstaltet die DRS-AG „Actionsport“ noch einen weiteren Workshop in Kassel (am 16.11.2013 – Infos folgen in Kürze), für das kommende Jahr sind bundesweit im mehreren Bundesländern Workshops und Skate-Events geplant. „ChairSkating geht gerade komplett durch die Decke – manchmal kann ich noch gar nicht glauben, was da seit Mai alles passiert ist,“ bilanziert Deutschlands mittlerweile nicht mehr einziger Chairskater nach dem Workshop, „es gibt bei uns mittlerweile mit Enrico, der bereits im Mai am 1. Workshop teilgenommen hat, sogar einen skatenden Tetraplegiker – das hab ich bisher nicht einmal in den USA gesehen!“

Nach dem Workshop klang der Rollstuhlsporttag auf der internationalen Gartenschau nicht weniger spektakulär aus: kurz nach Sonnenuntergang wurde auf einer Open-Air-Leinwand der Film „GOLD – Du kannst mehr als Du denkst“ im Beisein von Protagonistin und Ausnahmeschwimmerin Kirsten Bruhn und dem Produzenten Andreas F.Schneider aufgeführt. Trotz der fortgeschrittenen Stunde ließen sich rund 130 igs-Besucher von der bewegenden Geschichte und spektalulären Filmaufnahmen dreier Paralympioniken auf ihrem Weg nach London 2012 begeistern – ein rundum goldener Sommertag ging schließlich gegen 23 Uhr mit vielen zufriedenen Gesichtern und neu gewonnenen Erfahrungen zu Ende.


Text: Malte Wittmershaus
Fotos: 1-3,6: Irene Hinderkinck, 4,5,7: igs2013/Andreas Bock