DRS Bunte Leiste
28.06.2013

Rollstuhlsport und Erlebniswelten in Wilhelmsburg

DRS-Schulprojekt zu Gast auf der Internationalen Gartenschau

Über 200 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nahmen an dem inklusiven Sportangebot teil

Per Rollstuhl über die Internationale Gartenschau - gemeinsam mit erfahrenen Rollstuhlreferenten erkunden die Schulklassen das barrierefreie Gelände

Viel Spaß hatten die Schulklassen beim abschließenden Basketball-Match, bei dem die Jugendlichen ihre vorher erlernten Fahr-Fertigkeiten spielerisch einsetzen konnten - keine leichte Aufgabe mit dem Ball als "zusätzliches Sportgerät".

DRS-Referent Philip Opong (Mitte) zeigt den Kindern die richtige Technik zum Antreiben des Rollstuhls

Zufriedene Gesichter auch bei den Schülerinnen und Schülern einer Hamburger Förderschule

In Hessen leitet Michael Ortmann (li.) seit Beginn des Jahres das Projekt "Rollstuhlbasketball macht Schule in Hessen" und steht den Schüler_innen nicht nur als Coach, sondern auch als Rollstuhlfahrer offen Rede und Antwort.

Hamburg, 27.06.2013 – „Rollstuhlsport zum Mitmachen“ hieß es in der Woche vom 17.-21. Juni für insgesamt 205 Hamburger Schülerinnen und Schüler auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau (IGS) im Stadtteil Wilhelmsburg.


Im Rahmen des vielseitigen IGS-Bildungsangebotes „Bewegte Klasse“ hatten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die Gelegenheit, mit dem Schulprojekt „Rollstuhlbasketball macht Schule“, welches als Kooperation des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes e.V. (DRS) und des Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhauses Boberg (BUKH) bereits seit 2008 an Hamburger Schulen durchgeführt wird, Rollstuhlsport nicht nur kennen zu lernen, sondern selbst zu erleben.

 

Dreimal täglich, jeweils um 9:30, 11:30 und 14:00 Uhr konnten sich 7.-12.-Klässler sowie eine Gruppe von angehenden Altenpflegern unter kompetenter Anleitung von insgesamt sieben Sport-Referenten in zweistündigen Freiluftkursen auf dem Outdoor-Basketball-Platz des IGS-Geländes in die hohe Kunst des Rollstuhlbasketballs einweisen lassen – ein Angebot, dass die Jugendlichen und Lehrer gerade in der letzten Woche vor den Schulferien sehr begrüßten: „ die Noten stehen fest, die Zeugnisse sind verteilt, nun wollten wir mit den Kindern zum Abschluss des Schuljahres auch noch mal was Schönes als Klasse gemeinsam unternehmen – das Projektangebot klang super und alle waren sofort begeistert – darum sind wir heute hier – hat sich mehr als gelohnt,“ bilanzierte die Lehrerin einer 7. Klasse nach dem ersten Projekttag.

 

Nach den ersten Fahr- und Technik-Übungen mit dem für die Meisten noch ungewohnten Fortbewegungsmittel ging es für die Klassen gemeinsam per Rollstuhl zur Erkundungstour über das IGS-Gelände, vorbei an Teichen und Kanälen über Brücken und durch Blumengärten, um den Jugendlichen auch Alltagssituationen im Rollstuhl nahe zu bringen. „Gar nicht so leicht, hier irgendwelche Barrieren zu finden, um Alltagshindernisse für Rollstuhlfahrer aufzuzeigen,“ freut sich DRS-Projektleiterin Inga Geering,“ die Planer der IGS haben in punkto Barrierefreiheit wirklich gut mitgedacht.“

 

So ging es nach der halbstündigen Rundfahrt wieder zurück auf den Basketballplatz, wo die 13-19-Jährigen Basketballtips von Profis bekamen – diese konnten die Schulklassen im anschließenden Spiel dann auch unter großemm Gejohle und vollem Körpereinsatz unter Beweis stellen. Beate Wagner-Hauthal, Projektkoordinatorin auf der IGS freut sich über das bunte Treiben auf dem Sportgelände: „Das Thema „Rollstuhl“ und „Sport“ waren von Beginn unserer Planungen an zentrale Themen. Es ist toll, dass das Angebot so gut angenommen wurde!“ Auch Edina Müller, Rollstuhlbasketball-Nationalspielerin und Sporttherapeutin im Querschnittgelähmtenzentrum des BUKH, ist mit der Projektwoche an der IGS zufrieden: „die Jugendlichen haben super mitgemacht – es freut mich, dass auch „Fußgänger“ so viel Interesse und Spaß am Rollstuhlbasketball haben. Ich denke, hier wurde in den letzten Tagen vielen klar, dass wir Sport MIT und nicht TROTZ Rollstuhl machen.“

 

Auf breites öffentliches Interesse am Rollstuhlbasketball setzt die 30-jährige Hamburgerin auch in diesen Tagen: noch bis Sonntag messen sich in Frankfurt am Main bei der „Eurobasketball 2013“ Europas beste RBB-Teams – und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Rollstuhlbasketball weiter an Popularität gewinnt: die deutschen Damen, die als Titelverteidigerinnen und amtierende Paralympics-Gewinnerinnen im Kampf um den EM-Titel als Top-Favoriten ins Rennen gegangen sind, haben die Gruppenrunde sowie das heutige Viertelfinale mit vier Siegen aus vier Spielen souverän gemeistert und stehen nun am morgigen Freitag, 05.07.2013 im Halbfinale der EM - auch das Erreichen des Finales, das am Samstag live im öffentlich-rechtlichen TV übertragen wird,  gilt als wahrscheinlich.

Unterdessen hat das Rollstuhlsport-Fieber an deutschen Schulen auch andere Bundesländer infiziert, weitere Kooperationen bestehen u.a. in Sachsen-Anhalt mit dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt (BSSA) sowie den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannstrost Halle, wo bereits seit 2010 ein entsprechendes Angebot für interessierte Schulkassen bereit steht. In Hessen läuft seit Anfang des Jahres durch Initiative der Unfallkasse Hessen sehr erfolgreich das Projekt "Rollstuhlsport macht Schule in Hessen" - in nur 5 Monaten sind dort bereits über 80 Anfragen für Referenten-Besuche im Schulsport eigegangen. Derzeit führt der DRS intensive Gespräche mit deutschen Kultusministerien und regionalen Unterstützern, um das Konzept "Rollstuhlsport macht Schule" auch in anderen Bundesländern zu realisieren.

Weitere Infos zum Hamburger Schulprojekt Rollstuhlbasketball macht Schule finden Sie hier.

Alle Infos zur eurobasketball 2013 gibt es hier.

 

Text/Fotos: DRS/Wittmershaus