DRS Bunte Leiste
29.05.2013

Basketball-Profi Pascal Roller im DRS-Interview

Ein absolut zielführendes Schulprojekt: Rollstuhlbasketball macht Schule

Pascal Roller bei der Gruppenauslosung zur Eurobasketball 2013 im Frankfurter Römer. - Foto: Uli Gasper/www.uliphoto.de

Frage 1
Herr Roller, den Frankfurtern und Basketballern in Deutschland müssen wir Sie nicht näher vorstellen. Seit der Neugründung des Basketball-Bundesligisten Fraport Skyliners 1999 waren Sie (mit kurzer Unterbrechung) fast 12 Jahre lang DAS Frankfurter Basketball-Gesicht und prägten die gesamte Region wie wohl kein zweiter Korbsportler.  Sie waren 2000 DBB-Pokalsieger und 2004 mit den Skyliners Deutscher Meister, 2005 Vize-Europameister mit der Nationalmannschaft und 2008 bei den Olympischen Spielen neben Dirk Nowitzki der wichtigste Mann auf dem Court – 2013  sind Sie Botschafter für die eurobasketball 2013, der Europameisterschaft im Rollstuhlbasketball. Wann und wie haben Sie das erste Mal Rollstuhlbasketball erlebt?

PR: das ist schon einige Jahre her und passierte im Zusammenhang der Olympiabewerbung Frankfurt RheinMain für die Spiele 2012. Die Stadt hatte damals ein großes Event in der Ballsporthalle organisiert, bei dem die Basketballer der Skyliners gegen die Basketballer der Skywheelers antreten mussten – natürlich im Rollstuhl. Es war also ein durch und durch aktives Erleben der Sportart – auch verbunden mit einer heftigen Niederlage, denn gegen die spielerische Klasse der Skywheelers hatten wir keine Chance.

...und jetzt, wo ich mich so zurückerinnere, mit den Impressionen aus London noch im Hinterkopf: nicht auszudenken, was das für ein Triumph vielleicht sogar dann beider deutscher Rollstuhlbasketball-Teams geworden wäre, wenn Olympia 2012 in Frankfurt stattgefunden hätte.

 

Frage 2
Sie haben ja selbst auch schon bei Benefizspielen im Rollstuhl Platz genommen. Worin liegen für ungeübte Rollifahrer die größten Unterschiede zum „Fußgänger“-Basketball?

PR: Die größte Herausforderung besteht für mich ganz klar im Handling des Rollstuhls. Wenn ich vielleicht auch Stärken im Wurf habe und nach einer Weile mich auf die für mich ungewohnte Wurfposition einstellen kann, komme ich trotzdem meist nicht mal in Korbnähe, da ich von den geübten Fahrern frühzeitig ausgebremst werde. Wenigstens habe ich aber so auch immer eine Entschuldigung, warum ich nicht rechtzeitig (oder auch gar nicht) zurück in die defense gekommen bin...

 

Frage 3
Die eurobasketball 2013 wird in diesem Jahr vom 28.06.-07.07. in Ihrer Wahl-Heimatstadt Frankfurt ausgetragen und trägt den Untertitel „Frankfurt dreht am Rad“ -  was bedeutet diese EM für die Mainmetropole als Sportstandort bzw. für den regionalen Basketball-Sport?

PR: Frankfurt hat in den letzten Jahren leider, was die großen Mannschafts-Sportarten neben Fußball angeht (sprich: Basketball, Handball und Eishockey), keine guten Zeiten erlebt. Einziger Lichtblick waren in diesem Jahr die Skywheelers, die mit dem Gewinn des Vize-Pokals und der Vize-Meisterschaft die beste Saison ihrer bisherigen Vereinsgeschichte feiern konnten.

Dies ist natürlich eine tolle Visitenkarte auch dafür, dass die diesjährige EM in Frankfurt ausgetragen werden kann.

Es würde mich natürlich freuen, wenn mein alter Verein sich von den Erfolgen der Skywheelers und der Rollstuhlbasketballnationalmannschaften ‚anstecken lassen’ würde. Zumindest wird die EM helfen können, dass die Sportart Basketball in der Region weiter an Attraktivität gewinnen wird.

Was den Standort Frankfurt als Sportstadt angeht, war die Unterstützung seitens der Stadt zu meiner aktiven Zeit immer vorhanden. Und soweit ich das für heute noch beurteilen kann, unterstützt vor allem Herr Markus Frank die Arbeit der Clubs, wo er nur kann und leistet damit wertvolle Arbeit für den Frankfurter Sport.

Besonders gespannt bin ich übrigens, wie der Aufbau in der Eissporthalle für die EM aussehen wird, da dort ja dann auf zwei Spielfeldern parallel gespielt werden kann.

 

Frage 4
Sie sind den Skyliners und dem Basketballsport auch nach Ende Ihrer aktiven Spielerzeit (Sommer 2011 , Anm. d. Red.) treu geblieben und engagieren sich darüber hinaus bereits langjährig für diverse Sozial- und Jugend-Projekte – welche sind das?

PR: Sicherlich habe ich nicht mehr ganz so viel Zeit wie zu meinen ‚aktiven Zeiten’, um mich zu engagieren. Wenn aber Anfragen, wie die des BMI an mich gestellt werden, ob ich mich im Zusammenhang der Kampagne „Sport und Politik verein(t) gegen Rechtsextremismus“ einbringen möchte, bin ich natürlich sofort dabei. Aber auch die Botschafterrolle für den Verein Sportler für Organspende (VSO) oder Basketball AID führe ich natürlich noch über meine Karriereende hinaus fort.

Eine Zusammenarbeit mit den Skyliners gibt es nun seit über einem Jahr zwar nicht mehr, aber auch dort war ich vor allem für diverse Schulprojekte als glaubhaftes Testimonial unterwegs.

 

Frage 5
Als Botschafter des Rollstuhlsports und der eurobasketball 2013 unterstützen Sie auch das Schulprojekt „Rollstuhlbasketball macht Schule in Hessen“, welches die Unfallkasse Hessen (UKH) in diesem Jahr gemeinsam mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V. (DRS) ins Leben gerufen hat. Kinder (mit ohne körperliche Beeinträchtigung) an hessischen Schulen lernen hierbei spielerisch den sportlichen Umgang mit dem Rollstuhl. Ein Projekt mit bundesweitem Modell-Charakter?

PR: Absolut! Gerade meine persönliche Erfahrung hat mir gezeigt, dass die am eigenen Leib gemachten Erlebnisse, die authentischsten und prägendsten sind. Und es ist doch klasse, dass schon Schüler durch dieses Projekt spielerisch sich mit dem Thema Inklusion auseinandersetzen können.

Da fände ich es auch logisch, dass man das Programm schnell über die hessischen Landesgrenzen hinaus anbietet – wobei sich die Teilnehmer dieses Jahr über ein besonderes Schmankerl freuen können, denn sie werden allesamt mit Karten für ein EM-Spiel ausgestattet.

 

Frage 6
Warum sollte jeder einmal ein Rollstuhlbasketball-Länderspiel  live erlebt haben?

PR: Das ist einfach zu beantworten, denn wie Jan Berteling bei der EM-Gruppenauslosung im Römer so treffend gesagt hat: wheelchair basketball is the most exciting game on wheels!

...und ich würde noch ergänzen, dass die beiden deutschen Teams darin eben auch noch besonders gut sind!

 

Frage 7
Die  Paralympics 2012 in London bescherten der deutschen RBB-Damen-Nationalmannschaft eine Goldmedaille und der gesamten paralympischen Sportszene ein ungeahntes öffentliches Interesse, die Berichterstattung rund um den Rollstuhlsport ist in den Medien auch nach Monaten immer noch enorm. Glauben Sie, dass das Thema „Inklusion von Menschen mit Behinderungen“ 2013 in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist?  Inwieweit kann die RBB-EM im eigenen Land diesen Trend noch verstärken?

PR: Wie so oft hat der Sport auch in diesem Zusammenhang gezeigt, wie gut er sich für die Verbreitung und Kommunikation gesellschaftlicher Themen eignet. Jedoch kann und sollte dies aus meiner Sicht nur der Startschuss gewesen sein und es dringend notwendig, dass der Ball nun weiter im Spiel gehalten wird – eben auch über die sportlichen Grenzen hinaus.

Natürlich hilft aber die EM fürs erste im Jahr eins nach den Spielen in London diesen Trend weiter fortzuführen und zu verstärken.

 

Frage 8
Bei der Gruppenauslosung der eurobasketball 2013 im Frankfurter „Römer“ fungierten Sie als „Glücksfee“– neben dem amtierenden Europameister Großbritannien fischten Sie als Gegner der deutschen Herren auch den dreifachen Titelträger Italien, die Niederlande sowie Belgien und den Aufsteiger Schweiz aus dem Lostopf – eine schwere Gruppe! Welche Chancen rechnen Sie den deutschen Teams bei der EM 2013 aus – wagen Sie eine Finalspielprognose für die Herren und Damen?

PR: Auch wenn ich bislang keine Schelte für meine Ziehung bekommen habe, würde ich den Titel der Glücksfee lieber an Frau Dr. Hermann von der ING-Diba weiterreichen, die wahrscheinlich – zumindest aus deutscher Sicht – ein glücklicheres Händchen beweisen konnte.

Wenn ich mir bei den Damen da wenig Sorgen mache, dass sie alle Chancen auf den Titelgewinn haben, hat mir die Reaktion auf ’meine’ Gruppenauslosung von Sebastian Magenheim: „wer den Titel gewinnen will, muss früher oder später sowieso die stärksten Konkurrenten besiegen“ gezeigt, dass auch den Herren alles zuzutrauen ist.

Wir bedanken uns für das Gespräch und freuen uns mit Pascal Roller auf ein Basketball-Event der Spitzenklasse !

Das Interview führte Malte Wittmershaus.