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Entwicklung von Rollstuhlsport

Die Entstehung des Rollstuhlsports ist eng verknüpft mit der Einführung moderner Behandlungsmethoden für Querschnittgelähmte.

Der deutschstämmige Neurologe Sir Ludwig Guttmann schuf durch seine revolutionäre Arbeit während des 2. Weltkriegs und danach erstmals reale Überlebenschancen für diese Schwerstbehinderten. Durch gezielte Verfahren konnten nun die bisher meist tödlichen Folgeschäden verringert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt starben 90% der Betroffenen im ersten Jahr der Verletzung vorwiegend an den Belastungen durch Druckgeschwüre und durch Infektionen im Blasen-Nierenbereich. Querschnittgelähmte konnten erstmals funktionell und psychisch mobilisiert werden. Der Sport übernahm hierbei eine wesentliche Funktion für alle therapeutischen Maßnahmen. Darüber hinaus kam ihm die Aufgabe zu, vorhandene Ängste bei den Betroffenen und Vorurteile bei den Nichtbehinderten abzubauen.

Das außerordentliche sozial-politische Geschick von Sir Ludwig Guttmann ließ ihn den Rollstuhlsport mit der Olympischen Idee verknüpfen und als internationales Sportfest organisieren. An der 5. Austragung dieser Spiele in Stoke Mandeville in England nahm 1956 erstmals auch eine deutsche Mannschaft teil. Sie bestand aus 11 querschnittgelähmten Kriegsversehrten.

In der Bundesrepublik übernahmen zuerst die berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken die von Guttmann entwickelten Behandlungsmethoden. Tägliche sportliche Betätigung wurde zum Bestandteil der viele Monate, teils Jahre währenden klinischen Behandlung, die die Erhaltung des Lebens ebenso zum Ziel hatte, wie die berufliche und gesellschaftliche Rehabilitation.

Bis in die sechziger Jahre hatten die Querschnittgelähmten keine Möglichkeit, die in den Kliniken mühsam erworbene körperliche Leistungsfähigkeit durch weitere sportliche Betätigung zu erhalten. So war es nur naheliegend, dass zuerst an Orten mit berufsgenossenschaftlichen Kliniken, dann auch an anderen Orten, Rollstuhlsportgruppen gebildet wurden. Die Berufsgenossenschaften unterstützten diese Entwicklung durch Förderung der von ihnen betreuten Querschnittgelähmten. Auch richteten sie ab 1966 jährliche Sportfeste aus, durch die immer mehr Rollstuhlfahrer zu aktiver sportlicher Betätigung motiviert wurden.

Es ist ein überzeugender Erfolgsbeweis der Rehabilitation der Querschnittgelähmten, dass sie bald selbst ihre sportlichen Geschicke in die Hand nahmen, Wettkampfveranstaltungen organisierten und schließlich im Jahre 1977 den Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) gründeten. Seither ist dieser als Fachverband des Deutschen Behinderten-Sportverbandes zuständig für den Rollstuhlsport auf Bundesebene.

Aus dem "Gelähmtensport" der Pionierjahre wurde eine Sportbewegung der Rollstuhlfahrer. Zwar sind die Querschnittgelähmten mit etwa 80 % noch immer weitaus am stärksten vertreten, doch wurden Sportler mit anderen Behinderungen voll integriert.

Mehr als 330 Vereine, die insgesamt rund 9.000 Rollstuhlsportler betreuen, haben sich inzwischen dem DRS angeschlossen. Etwa 130 Personen, darunter viele Betroffene, haben ehrenamtliche Funktionen im DRS übernommen, um diesen Sportverband der Rollstuhlfahrer weiterhin zu fördern und fortzuentwickeln.